06 September 2006

Die Zukunft trägt ein rosa Kleid

Sie sitzt auf dem Schoß ihrer Tante und beobachtet verwundert, wie ich mit der Kamera hantiere, sie vor mein Gesicht halte, wie ich vor ihr zu Boden gehe, um sie zu fotografieren.

Ein winzig kleines iranisches Mädchen, geboren im Jahr 2005.

Wie sie wohl heißt? Farideh vielleicht, oder Samira? Aryana? Shirin?

Shirin bedeutet „die Süße“.

Die Süße ist mit ihrer Mutter und ihrer Tante hier, die drei besuchen Persepolis in der Nähe von Shiraz. Diese Palastanlage aus vorislamischer Zeit ist eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten des Iran und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die Tante ist stolz auf dieses Zeugnis der ruhmreichen Geschichte ihres Landes. Und sie ist stolz auf ihre Nichte. Ja, ich darf die Kleine fotografieren, gern, aber die Tante möchte nicht mit aufs Bild. Bitte nicht. Sie zupft verlegen an ihrem Tschador, der immerhin ihr Gesicht sehen lässt: sie ist jung und hübsch und hat die gleichen schwarzen Augen.

Ungefähr so wird Shirin eines Tages sicher auch aussehen. Und dann?

Was möchtest du werden, Shirin? Fotografin, Archäologin, Fondsmanagerin? Das ist alles möglich im Iran; aber bitte zieh einen Tschador über. Sängerin? Das wird schwierig – Frauen haben hierzulande zur Zeit nichts zu singen.

Aber vielleicht ändert sich das ja, bis du soweit bist. Und vielleicht darfst du dann auch wieder rosa Kleider tragen.

Ich wünsche dir alles Gute!

Martha

in Keshan am Rande der Salzwüste Dasht-e-Kavir: Religiöse (und andere) Bilder malen für iranische Touristen. Ohne Handy geht es nicht.

in Shiraz, Shopping Mall: ein kurzer enger Mantel muss sein, auch bei 39 Grad im Schatten.

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